Zur Person

Geboren wurde ich 1961 in dem kleinen Dorf Fockbek bei Rendsburg. Dort besuchte
ich auch die dörfliche Grundschule. Ich hatte einen netten jungen Klassenlehrer,
dessen erste Klasse wir waren. Gute Erinnerungen sind aus dieser Zeit geblieben.
Die ländliche Umgebung, die viele Natur ermöglichte es mir und meinen Freunden sehr
viel Zeit draußen zu verbringen. Wald, Wiese, Bauernhöfe, die Müllkippe und andere
wunderbare Orte boten so viele Möglichkeiten, Erfahrungen zu machen und kindliche
Freude zu erleben.

Im Anschluss an die idyllische Grundschulzeit folgte der Besuch auf dem Gymnasium in
der Kreisstadt Rendsburg. Mit dem Fahrrad fuhr ich nun täglich zur Herderschule, dem
Jungengymnasium in der Stadt. Die Mädchen des Landkreises hatten ihre eigene Schule,
die Helene-Lange-Schule. Koedukation, die Beschulung beider Geschlechter in einer Klasse,
gab es zu der Zeit noch nicht am Gymnasium, dafür aber alte Sprachen und bis auf ganz
wenige Ausnahmen nur männliche Lehrer. Neun Jahre beinahe nur unter männlichen Menschen,
für mich und die anderen Jungen war das normal. Trotzdem bedeutete dies auf gar keinen
Fall einzig und allein mit dem eigenen Geschlecht zu tun zu haben.

Nachmittags holten wir all das nach, wovon wir am Vormittag träumten. Die Zeit mit den Mädchen wurde zu einer sehr
wertvollen Zeit. Man verplemperte sie nicht damit, die Mädchen zu ärgern und ihnen den Kindskopf zu spielen.
Wenn man etwas nicht hat, dann weiß man es zu schätzen! So haben wir uns denn regelmäßig mit den Mädchen, denen
es ebenso erging, getroffen. Es wurden Einladungen zu gemeinsamen Klassenfesten ausgesprochen und so lernten auch wir,
dass es wesentliche Unterschiede, die wir schnell zu schätzen lernten, zwischen Jungen und Mädchen gibt.

1980 machte ich das Abitur. Doch nun schon 19 Jahre alt, wusste ich immer noch nicht, was ich beruflich machen sollte.
Etwas anderes war mir aber inzwischen klar geworden: ich wollte die Junge Frau, die ich in Frankreich auf einer christlichen
Jugendreise kennen und lieben gelernt hatte, unbedingt heiraten. (Wir haben dann doch noch fünf Jahre gewartet!!)

Die letzten Jahre meiner Oberstufenzeit hatte ich im SV-Fockbek, dem traditionellen Sportverein meines Heimatdorfes,
die Sparte „Jungenturnen“ geleitet. Zweimal wöchentlich sportete ich mit einer kleinen Gruppe von Jungen am Reck,
Boden und Barren. Als den Jungs das Turnen nicht mehr ausreichte, nahm ich auch noch Hallenfußball und Ausdauerlaufen
mit ins Programm auf. Diese Zeit war sehr prägend, sicherlich ist aus dieser Arbeit der Wunsch gereift, später einmal Lehrer
zu werden. Selbst habe ich als aktiver Crossläufer bei den Kreismeisterschaften in Büdelsdorf teilgenommen.

Doch bevor ich mit meinem Studium in Hamburg beginnen konnte, musste ich noch meinen Ersatzdienst ableisten. In der
Werkstatt für Behinderte (WfB) in Rendsburg machte ich nun ganz neue Erfahrungen. Als Gruppenleiter-Assistent arbeitete
ich nun täglich acht Stunden in einem Produktionsbetrieb mit betreuender Funktion. Ich lernte zu schweißen, Holz- und
Elektroarbeiten auszuführen und verlor die Scheu mit Menschen mit Behinderung umzugehen.

Vom Wintersemester 1982 an, bis zum 1. Staatsexamen im Jahre 1987, studierte ich in Hamburg Erziehungswissenschaften
und Grundschulpädagogik mit den Fächern Deutsch, Religion und Sport.

Mein anschließendes Referendariat verbrachte ich in Niedersachsen in einem Schulzentrum im „Alten Land“.

Anschließend folgte ein Ausflug in die Welt der Medien. Ich gründete mit anderen zusammen eine TV-Produktionsfirma,
„NeuSEHland TV“, (unter anderem drehten wir in Papua Neuguinea einen Film über die Resozialisierung von Jungen,
die aus ihren dörflichen Gemeinschaften ausbrachen und kriminell wurden) und arbeitete als freier Fotograf, bis zu dem
Augenblick, an dem ich - in diesen für Lehrkräfte schwierigen Zeiten - eine Stelle in einer Sprachenschule für Erwachsene
angeboten bekam. Sechs Stunden Deutsch für Ausländer standen nun auf meinem Stundenplan. Zwei Jahre lang, dann
bekam ich in einer Grundschule eine multinationale Vorbereitungsklasse (MVK) in Hamburg Altona. Das war der Beginn
meines Beamtendasein und der Auftakt zu vielen Erfahrungen mit Jungen unterschiedlichster Herkunft.

Nach sieben intensiven Jahren wechselte ich die Schulart. Ich verließ die Grundschule mit ihrem sehr hohen
„Ausländeranteil“ (was für ein befremdliches Wort. Ich hatte schon nach kurzer Zeit in der Schule den Eindruck,
wenn man Kinder gern hat und sie besser kennt, spielt die Herkunft keine Bedeutung mehr!) und ging in die Vorstadt,
um beim Aufbau einer Gesamtschule mitzuwirken. Dort leite ich bis heute Integrationsklassen, die sich zur Aufgabe
gemacht haben, alle Kinder, auch die mit einem erhöhten Förderbedarf (Kinder mit Behinderung) in einem
multiprofessionellen Team gemeinsam zu beschulen.

Privat bin ich während dieser arbeitsreichen Jahre auch zu zwei „eigenen“ Jungen gekommen: Fabian und Benedikt,
Jahrgang ’90 und ’97, zwei Jungen, die so ziemlich alles mit machen, was als jungentypisch gilt., zwei wunderbare Jungen.

Durch das Vatersein hat sich einiges verändert. Ich entwickelte einen Nestbautrieb, der zum eigenen Haus im Grünen führte.
Warum sollten es meine Kinder schlechter haben als ich und mitten in der Großstadt aufwachsen, wo sie sich meiner Meinung
nach nur eingeschränkt entwickeln können?

Neben der Schule arbeitete ich noch einige Jahre mit angehenden Lehrerinnen und Lehrern an der Entwicklung ihrer
Lehrerpersönlichkeit: Ich war Seminarleiter für das „Lehrertraining“ am damaligen Institut für Lehrerfortbildung (IFL),
das durch unsere Arbeit inzwischen zu einem festen Bestandteil in der Hamburger Lehrerausbildung geworden ist.

Um mit jungen, pädagogisch interessierten Menschen noch vor der Phase des konkurrenz-intensiven Referendariats
arbeiten zu können, ging ich als Dozent an die Universität Hamburg. Dort bot ich Seminare zu den Themen
„Offener Unterricht“, aber vor allem zum Thema „Jungenerziehung in der Schule“ an.

Aus den dort gemachten Erfahrungen entwickelte sich der Wunsch, die sich zunehmend verschärfende Situation der Jungen in
der gegenwärtigen Gesellschaft einem größeren Publikum nahe zu bringen, ihnen die unsicher werdenderen Jungen nahe zu bringen.

Gerade die jungen Frauen in der Universität, die alle Lehrerinnen werden wollten, hatten wenig Vorstellung davon, wie Jungen
„ticken“. Sie, die ganz Anderen, (vom fernen Planeten Venus) wollen und sollen den kleinen wilden Kerlen in den Schulen sagen,
wo es im Leben lang geht. Damit sind aber immer mehr weibliche Menschen überfordert und die Jungen mit der Schule, die sie
vorfinden. Jungen bräuchten dafür sehr viel mehr männliche Weg- und Lernbegleiter. Männer, die sie verstehen, die ihnen das
geben, was vielen von ihnen so sehr fehlt: ein lebendes männliches Vorbild, auch zum Anfassen, zum Lernen am männlichen Modell.
Das Unverständnis meiner Studentinnen, ihre vielen Fragen zum anderen Geschlecht, ihre Einsicht, dass Jungen wohl dringend mehr
Verständnis in bestimmten Bereichen und vor allem männliche Bezugspersonen bräuchten, motivierten mich, mein Bild von der
aktuellen Situation vieler Jungen mit dem Ziel niederzuschreiben, Jungen in der Öffentlichkeit zum Thema zu machen und die
katastrophale Situation von immer mehr Jungen in ihrer persönlichen Lebensentwicklung nicht länger passiv hinzunehmen.